Warum Ihre PV-Anlage beim Blackout abschaltet

Der häufigste Irrtum zuerst: Eine normale netzgekoppelte PV-Anlage hilft bei Stromausfall gar nichts. Ihr Wechselrichter überwacht permanent Spannung und Frequenz des öffentlichen Netzes. Verschwindet das Netz, muss er sich sofort abschalten. Diese Vorschrift heißt Netz- und Anlagenschutz und ist in der Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 festgelegt.

Der Grund ist ernst: Wenn irgendwo im Ort ein Kabel gezogen wird oder Monteure eine Störung beheben, darf aus keinem Haus Spannung zurück ins Netz fließen. Ohne diese Trennung wäre jede Leitung, an der gearbeitet wird, potenziell lebensgefährlich. Die Abschaltung ist also kein Konstruktionsfehler, sondern Pflicht. Die Konsequenz für Sie: Wer bei Netzausfall versorgt sein will, braucht ein System, das sich normgerecht vom Netz trennen und ein eigenes Inselnetz aufbauen kann.

Die Begriffe sauber getrennt

Im Alltag werden Notstrom, Ersatzstrom und USV munter durcheinander verwendet. Für die Planung lohnt die Trennung:

Wie die automatische Umschaltung funktioniert

Das Herzstück eines Ersatzstromsystems ist der Transferschalter. Beim Victron MultiPlus-II ist er im Gerät integriert: Im Normalbetrieb ist das Haus über den MultiPlus mit dem Netz verbunden, der Wechselrichterteil arbeitet parallel als Speichermanager. Fällt das Netz aus, öffnet der Transferschalter, das Gerät wechselt in den Inselmodus und baut aus der Batterie ein eigenes 230-V-Netz auf. Das dauert typischerweise rund 20 Millisekunden, eine Netzperiode.

Danach passiert etwas, das viele überrascht: Auch die PV-Anlage kann weiterarbeiten. In dem vom Speichersystem aufgebauten Inselnetz sieht der PV-Wechselrichter wieder gültige Spannung und Frequenz und speist ein. Damit der Speicher dabei nicht überladen wird, regelt das System die PV-Leistung über gezielte Frequenzverschiebung: Hebt es die Frequenz leicht an, drosselt der PV-Wechselrichter normgerecht seine Leistung. So lädt die Sonne den Speicher auch mitten im Blackout nach.

NotstromsteckdoseErsatzstromsystemUSV-Klasse
Umschaltungmanuell, Minutenautomatisch, Sekunden bis Millisekundenunterbrechungsfrei wahrnehmbar
Versorgungsumfangeinzelne Gerätedefinierte Kreise bis ganzes Hausdefinierte Kreise bis ganzes Haus
PV lädt nachmeist neinja, bei richtiger Planungja, bei richtiger Planung
Typische TechnikHybrid-WR mit Backup-AusgangMultiPlus-II mit TransferschalterMultiPlus-II, korrekt dimensioniert

Worauf es bei der Auslegung ankommt

Ein Ersatzstromsystem plant man von den Verbrauchern aus, nicht vom Datenblatt. Drei Fragen entscheiden:

Praxisregel: Lieber die richtigen Kreise absichern als das ganze Haus schlecht. Eine sauber geplante Teilversorgung mit ausreichender Reserve schlägt die unterdimensionierte Vollversorgung in jedem realen Ausfall.

Das Fazit

Wenn Ihnen Versorgungssicherheit wichtig ist, fragen Sie nicht nach Notstrom, sondern nach automatischem Ersatzstrom mit definierter Reserve und PV-Nachladung im Inselbetrieb. Genau diese Systeme planen und bauen wir, meist auf Basis von Victron MultiPlus-II, LiFePO4-Speicher und Cerbo GX. Die Details zur Umsetzung finden Sie auf unserer Seite Notstrom & Ersatzstrom.

Häufige Fragen zum Thema

Für Handy, Licht und Router: ja, einige Stunden. Für fest angeschlossene Verbraucher wie Heizung oder Kühltruhe braucht es ein fest installiertes System mit normgerechter Netztrennung. Die Powerstation ist eine Taschenlampe, das Ersatzstromsystem ein Stromnetz.
Nein. Ein Balkonkraftwerk ist ein netzgekoppelter Wechselrichter im Kleinformat und schaltet bei Netzausfall genauso ab wie die große Dachanlage.
Bei einem Victron-System ist die Ersatzstromfähigkeit im MultiPlus-II bereits angelegt. Die Mehrkosten stecken vor allem in der Verteilungsarbeit: Aufteilung in gesicherte Kreise und normgerechte Umschaltung. Wer den Speicher ohnehin plant, bekommt Ersatzstrom vergleichsweise günstig dazu.

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