Leistungspreis: die zweite Stromrechnung

Betriebe oberhalb von 100.000 kWh Jahresverbrauch werden über registrierende Leistungsmessung (RLM) abgerechnet. Neben dem Arbeitspreis je Kilowattstunde zahlen sie einen Leistungspreis je Kilowatt der höchsten gemessenen Viertelstundenleistung des Abrechnungsjahres. Dieser Preis liegt je nach Netzgebiet und Benutzungsdauer im zwei- bis dreistelligen Eurobereich pro Kilowatt und Jahr.

Das Tückische: Es zählt der eine Ausreißer. Laufen an einem einzigen Morgen Ofen, Druckluftkompressor und Hallenheizung gleichzeitig an, setzt diese Viertelstunde die Marke, und die bezahlen Sie zwölf Monate lang, auch wenn der Rest des Jahres brav verläuft.

Wie Peak Shaving technisch funktioniert

Ein Peak-Shaving-System besteht aus drei Elementen: schneller Leistungsmessung am Netzanschluss, einem Batteriespeicher mit ausreichender Entladeleistung und einer Steuerung mit definierter Schwelle. Nähert sich der Netzbezug der Schwelle, entlädt der Speicher exakt die Differenz. Die Netzmessung sieht eine gedeckelte Kurve, die Produktion läuft unverändert weiter. Sinkt die Last, lädt der Speicher nach, bevorzugt aus eigener PV oder in lastschwachen Zeiten.

Mit parallelgeschalteten Victron-Einheiten lassen sich solche Systeme modular aufbauen: MultiPlus-II oder Quattro im Verbund liefern die Entladeleistung, LiFePO4-Bänke die Kapazität, der Cerbo GX mit Leistungsmessung führt die Regelung aus. Dieselbe Anlage kann zusätzlich Eigenverbrauch optimieren und kritische Abgänge bei Netzausfall stützen.

Eine Beispielrechnung

Ein Betrieb hat eine Jahreshöchstlast von 180 kW, verursacht durch kurze morgendliche Anlaufspitzen. Die Grundlast liegt bei 90 kW, das übliche Tagesniveau bei 120 bis 140 kW. Analyse des Lastgangs zeigt: Die Spitzen über 140 kW dauern jeweils unter 30 Minuten.

Ob die Rechnung bei Ihnen ähnlich ausgeht, entscheidet allein Ihr Lastgang. Kurze, hohe, seltene Spitzen sind der Idealfall. Lange Plateaus dagegen brauchen unwirtschaftlich viel Kapazität, das sagen wir dann auch.

Wichtig: Die Zahlen oben sind ein Rechenbeispiel zur Methodik, kein Versprechen. Die belastbare Aussage entsteht aus Ihren realen Viertelstundenwerten, die Ihr Netzbetreiber oder Versorger als Export bereitstellt.

Die Nebennutzen derselben Anlage

Vom Lastgang zum laufenden System

Unser Weg ist immer derselbe: Sie stellen den Lastgang bereit, wir analysieren Spitzenhöhe, Dauer und Häufigkeit, legen Schwelle und Systemgröße fest und rechnen den Ertrag konservativ. Danach folgen Netzbetreiberabstimmung, Installation im Wartungsfenster und ein Monitoring-geführter Feinschliff der Schwellen in den ersten Betriebsmonaten. Details auf der Seite Gewerbespeicher.

Häufige Fragen zum Thema

Für reines Peak Shaving braucht es keine PV, die Rechnung läuft über den Leistungspreis. PV verbessert die Gesamtrechnung, ist aber keine Voraussetzung.
Schneller als die Viertelstundenmessung: Die Regelung arbeitet im Sekundenbereich und hält die 15-Minuten-Mittelwerte unter der Schwelle. Genau dafür ist die Kombination aus schneller Messung und Batterie gemacht.
Dann greift die Spitze durch, deshalb ist die Kapazitätsauslegung entscheidend: Sie muss das längste realistische Spitzenereignis plus Reserve tragen. Die Steuerung priorisiert das Nachladen so, dass vor typischen Spitzenzeiten Kapazität bereitsteht.

Aus dem Artikel ein Projekt machen?

Wir übertragen das Thema auf Ihr Haus oder Ihren Betrieb, mit einer kostenlosen Ersteinschätzung.

Projekt starten 0906 127 99 470