Wie ein dynamischer Tarif funktioniert
Bei einem dynamischen Tarif folgt Ihr Arbeitspreis dem Börsenstrompreis, meist dem Day-Ahead-Preis der Strombörse, stunden- oder viertelstundengenau, plus Steuern, Abgaben, Netzentgelte und Anbieteraufschlag. Die staatlich regulierten Bestandteile bleiben fix, aber der Energieanteil schwankt kräftig: In windreichen Nächten und sonnigen Mittagsstunden ist er niedrig, an dunklen, kalten Winterabenden hoch. Gelegentlich wird der Börsenpreis sogar negativ.
Voraussetzung für die Teilnahme ist ein intelligentes Messsystem, das den Verbrauch zeitgenau erfasst. Der Rollout läuft, für größere Anlagen und steuerbare Verbraucher ohnehin. Ohne Smart Meter keine zeitgenaue Abrechnung, ohne zeitgenaue Abrechnung kein Vorteil aus der Verschiebung.
Der Speicher macht aus Preisen Entscheidungen
Ohne flexible Verbraucher nützt der schönste Tarif wenig: Gekocht wird, wenn Hunger ist. Der Batteriespeicher ändert das grundlegend, denn er kann Energie zeitversetzt bewegen. Die Strategie hat zwei Saisons:
- Sommerhalbjahr: Die PV füllt den Speicher, der dynamische Tarif spielt die Nebenrolle. Interessant sind vor allem negative Preisphasen, in denen Einspeisen nichts bringt und Eigenverbrauch alles ist.
- Winterhalbjahr: Die PV liefert wenig, der Speicher stünde oft leer herum. Jetzt übernimmt er den zweiten Job: nachts oder mittags in den günstigsten Stunden aus dem Netz laden, abends in der Preisspitze das Haus versorgen. Aus dem Solarspeicher wird ein Preisarbitrage-Speicher.
Die ehrliche Rechnung
Was bringt ein Ladezyklus? Die Antwort steht im Spread, der Differenz zwischen Lade- und Entladepreis, abzüglich der Kosten des Zyklus:
- Angenommen, Sie laden 10 kWh in einer günstigen Nachtstunde und verbrauchen sie am Abend. Liegt zwischen beiden Zeitpunkten ein Spread von beispielsweise 15 Cent je kWh, bringt der Zyklus 1,50 Euro brutto.
- Davon gehen Wandlungsverluste ab, rund 8 bis 12 Prozent über den Lade-Entlade-Pfad.
- Und die Batterieabnutzung: Eine LiFePO4-Batterie mit vielen tausend Zyklen Lebensdauer kostet je durchgesetzter Kilowattstunde nur wenige Cent. Der Zusatzverschleiß ist real, aber klein.
Netto bleiben pro Winterzyklus typischerweise einige Dutzend Cent bis über ein Euro hängen, an Tagen mit extremen Spreads mehr. Über die Wintermonate summiert sich das auf einen Betrag, der die Rechnung eines ohnehin vorhandenen Speichers spürbar verbessert. Aber: Allein für die Preisarbitrage kauft man keinen Heimspeicher. Der Speicher rechnet sich über den PV-Eigenverbrauch, der dynamische Tarif ist der Bonus, der ihn auch im Winter arbeiten lässt.
Merksatz: Der dynamische Tarif macht einen guten Speicher besser. Er macht keinen schlechten Speicher gut.
Was die Technik können muss
Damit das funktioniert, muss Ihr System drei Dinge beherrschen: die Preissignale kennen, daraus Ladepläne bauen und die Reserve respektieren. Victron-Systeme bringen die Grundlagen mit: Das ESS kann geplante Ladefenster fahren, und über die offene Steuerung auf dem Cerbo GX lassen sich Preisprofile dynamischer Anbieter einbinden. Wichtig ist die saubere Priorisierung: PV-Überschuss geht vor Netzladung, die Notstromreserve bleibt unangetastet, und die Batterie wird nicht für Centbeträge totgezykelt.
Für wen sich das lohnt
- Klarer Fall: Sie haben PV mit Speicher und ein intelligentes Messsystem oder bekommen bald eines. Dann ist der dynamische Tarif fast immer eine Prüfung wert.
- Sehr guter Fall: Zusätzlich E-Auto oder Wärmepumpe, also große verschiebbare Lasten. Hier multipliziert sich der Effekt, siehe Energiemanagement.
- Schwacher Fall: Kein Speicher, keine verschiebbaren Verbraucher, Verbrauch hauptsächlich abends. Dann zahlen Sie die Preisspitzen voll mit und der Tarif kann teurer sein als der Festpreis.
Wir richten preisgesteuertes Laden auf Wunsch als Teil des Systems ein, inklusive der Grenzen, die Ihre Batterie schützen.
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