Die typische Ausgangslage
Ihre Anlage stammt aus den Jahren zwischen 2008 und 2022, hat einen soliden String-Wechselrichter und speist zuverlässig ein. Damals war das die richtige Auslegung: Volleinspeisung oder hohe Vergütung machten Speicher unnötig. Heute hat sich die Rechnung gedreht. Selbst verbrauchter Strom ersetzt Netzstrom für 30 bis 40 Cent, eingespeister bringt nur noch wenige Cent. Jede Kilowattstunde, die vom Mittag in den Abend wandert, ist bares Geld.
Dazu kommt für ältere Anlagen ein zweites Thema: Nach 20 Jahren endet die EEG-Vergütung. Für diese Ü20-Anlagen ist maximaler Eigenverbrauch praktisch die einzige sinnvolle Betriebsart, und dafür braucht es einen Speicher.
AC oder DC: die zentrale Weiche
Ein Speicher braucht einen Wechselrichter, der ihn lädt und entlädt. Dafür gibt es zwei Architekturen:
DC-Kopplung: PV und Batterie hängen am selben Hybrid-Wechselrichter. Effizient und aufgeräumt, aber es bedeutet bei einer Bestandsanlage: Der vorhandene Wechselrichter fliegt raus und wird durch ein Hybridgerät ersetzt. Das lohnt sich vor allem, wenn der Tausch ohnehin ansteht, etwa weil das Gerät altersschwach ist.
AC-Kopplung: Der Speicher bekommt einen eigenen Batteriewechselrichter und wird auf der 230-V-Seite eingebunden. Die Bestandsanlage bleibt komplett unangetastet, samt Vergütungsstatus. Genau deshalb ist AC-Kopplung der Standardweg für Nachrüstungen, und die Victron-Architektur mit MultiPlus-II unsere bevorzugte Umsetzung.
| AC-Kopplung | DC-Kopplung (Hybrid) | |
|---|---|---|
| Eingriff in Bestandsanlage | keiner | Wechselrichtertausch |
| Markenbindung | keine, funktioniert mit jeder PV | an Hybridgerät gebunden |
| Wirkungsgrad Speicherpfad | sehr gut, ein Wandlungsschritt mehr | sehr gut |
| Notstromfähigkeit | stark, z. B. MultiPlus-II Transferschalter | geräteabhängig, oft eingeschränkt |
| Sinnvoll wenn | Anlage läuft gut und soll bleiben | Wechselrichtertausch ohnehin fällig |
Die Victron-Nachrüstung im Detail
So sieht die von uns am häufigsten gebaute Nachrüstlösung aus: Ein MultiPlus-II wird zwischen Netzanschluss und Hausverteilung gesetzt. Ein Energiezähler misst am Zählpunkt, was das Haus bezieht oder einspeist. Der Cerbo GX regelt daraus das ESS: Überschuss der Bestandsanlage lädt den LiFePO4-Speicher, am Abend deckt der Speicher den Verbrauch, der Netzbezug am Zähler pendelt um null.
Der stille Bonus dieser Architektur: Ersatzstrom ist fast geschenkt. Der Transferschalter steckt bereits im MultiPlus-II. Wird die Verteilung in gesicherte und ungesicherte Kreise aufgeteilt, versorgt das System diese Kreise bei Netzausfall automatisch weiter, und die Bestandsanlage lädt den Speicher im Inselbetrieb über Frequenzregelung nach. Aus der reinen Sparmaßnahme wird ein Stück Unabhängigkeit.
Wie groß soll der nachgerüstete Speicher sein?
Die Faustformel: 1 bis 1,5 kWh nutzbare Kapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch, angepasst an PV-Größe und Lastprofil. Bei Nachrüstungen kommt eine Besonderheit dazu: Die PV-Größe steht fest. Ein Speicher, der größer ist als das, was die Anlage an einem durchschnittlichen Tag an Überschuss produziert, wird nie voll. Wir rechnen deshalb rückwärts vom realen Überschussprofil, gern mit den Ertragsdaten Ihrer Anlage aus den letzten Jahren. Die ausführliche Methodik steht im Artikel Speichergröße berechnen.
Ablauf und Formalitäten
- Bestandsaufnahme: Wechselrichter, Zählerschrank, Platzverhältnisse, Verbrauchs- und Ertragsdaten.
- Konzept: Kopplungsart, Speichergröße, Notstromumfang, Angebot mit klaren Positionen.
- Anmeldung: Auch ein nachgerüsteter Speicher wird beim Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister registriert. Übernehmen wir.
- Installation: Meist ein bis zwei Tage, inklusive Zählerschrankarbeiten und Inbetriebnahme.
- Feinschliff: ESS-Konfiguration, Monitoring-Einrichtung, Einweisung.
Steuerlicher Hinweis: Auch für nachgerüstete Speicher an Wohngebäude-PV gilt der Nullsteuersatz. Die Nachrüstung kostet damit 19 Prozent weniger, als viele noch im Kopf haben.
Häufige Fragen zum Thema
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